Die Wissenschaft beim BVB – CrimScapes: Ein Projekt zu den Fragen zunehmender Kriminalisierung und Versicherheitlichung in Gesellschaften

Aus den Tätigkeiten des seit etwa 1977 bestehenden Berliner Vollzugsbeirats resultiert unter anderem eine Sammlung von Dokumenten zur Entwicklung des Strafvollzugs seit Inkrafttreten des Bundesstrafvollzugsgesetzes (StVollzG) im Jahr 1977. So besitzen wir einige Unterlagen – u.a. Berichte, Fotos, Zeitungsartikel und Beschlussdokumente – zu auch grundlegenderen Organisationsfragen des Strafvollzugs in Berlin.

Frau K. Nagel von der Humboldt-Universität am 29.11.21 in der BVB-Geschäftsstelle beim Sichten alter Dokumente.

Dies wird auch gern von anderen Organisationen genutzt. Kürzlich hatten wir erneuten Besuch von einer Mitarbeiterin des Ethnologischen Instituts der Humboldt-Universität, die an dem Projekt CrimScapes mitarbeitet. Hierbei handelt es sich um eine Untersuchung der Fragen zunehmender politischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Transformation hin zu Kriminalisierung, Versicherheitlichung und Strafe. Dafür gewähren wir Einsicht in unsere Unterlagen zu den Organisationsprozessen 1990/91 (soweit sie nicht wegen des Vertrauensschutzes auch der Wissenschaft nicht eröffnet werden dürfen).

Auch in den letzten Jahren zeigt sich in der Gesellschaft eine zunehmende Tendenz zu Hassreden und dem Ruf nach weiteren und/oder schärferen Strafvorschriften. Auf den Berliner Strafvollzug hat das nach unserem Eindruck bisher glücklicherweise wenig Einfluss. Aus unseren Tätigkeiten in jahrzehntelanger BVB-Arbeit wissen wir jedoch, dass negative gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss auf die Zielsetzungen und „impacts“ von Inhaftierung haben. Und dass schlimmstenfalls das aus unserer Sicht wichtigste Ziel staatlich organisierten Freiheitsentzugs, nämlich die Resozialisierung bzw. Wiederaufnahme von Gefangenen in eine freie, demokratische Gesellschaft, konterkariert und vereitelt werden kann.

Deshalb haben wir schon vor Längerem die Unterstützung des Projektes CrimScapes der Humboldt-Universität Berlin vereinbart. Im Sinne einer Zusammenarbeit von gegenseitigem Nutzen. Und der Berliner Vollzugsbeirat bleibt so auf jeden Fall an diesem wichtigen Thema dran.